Besatzungskinder

 

Ein „Besatzungskind“ ist ein „Kind eines Besatzungsangehörigen und einer einheimischen Frau“ – so lautet die schlichte Definition im Duden. Diese Kinder entstammen Liebesbeziehung, Gelegenheitsprostitution, kurzen Affären aber auch Vergewaltigungen. Der Begriff wurde in Deutschland erstmals während der Rheinlandbesetzung (1919-1930) verwendet, für Kinder deutscher Frauen und französischer Soldaten. Hier fungierte das Wort vor allem als Beleidigung. Im deutschen Sprachgebrauch sind mit der Bezeichnung häufig jene Kinder gemeint, die während der Besatzungszeit zwischen 1945 und 1955 geboren wurden und deren Vater ein Soldat aus den USA, der Sowjetunion, Großbritannien oder Frankreich ist. Nach Schätzungen beläuft sich die Zahl hierbei auf 400.000 Geburten, wobei gerade für jene aus dem sowjetischen Gebiet kaum Angaben gemacht werden können.

In Gießen geht man nach Schätzungen von rund 500 Kindern aus, die von US-Soldaten und deutschen Frauen gezeugt wurden. Die Dunkelziffer liegt aber wahrscheinlich wesentlich höher.

Nehmen Sie das Thema doch noch mehr unter die Lupe!

In einem Audiointerview mit Prof. Elke Kleinau und Rafaela Schmid erfahren Sie, unter welchen schwierigen Bedingungen viele der „Besatzungskinder“ in Deutschland aufwachsen mussten.

Mehr über die afrodeutschen Besatzungskinder – also Kinder von deutschen Frauen und Schwarzen US-Soldaten – können Sie im Audiointerview mit Dr. Silke Hackenesche nachhören.

Wissenschaftliche Erkenntnisse sind wichtig, aber, wie es sich wirklich anfühlte ein „Besatzungskind“ in den 1950er Jahren zu sein, das erfahren Sie auch bei uns. Wir haben zwei „Besatzungskinder“ interviewt, die in Gießen aufgewachsen sind. Ist es bei Günther Meier* vor allem die fehlende Vaterfigur, die ihn immer wieder beschäftigt, so thematisiert Katharina Schmidt* vor allem ihre Erlebnisse, als Schwarzes Mädchen in einer weißen Gesellschaft aufzuwachsen.

 

 

 

 

 

 

*Namen wurden auf Wunsch geändert.